English Version: Heartwarming and soothing – Wholesome Games Part Two
In meinem ersten Artikel zu Wholesome Games habe ich bereits ein paar der großen Klassiker erwähnt und einige Titel, die eher weniger bekannt sind, näher erläutert. Natürlich gibt es noch viel mehr an Videospielen, die sich anfühle wie eine warme Decke und ein heißer Tee für die Seele. Aus diesem Grund wird es auch Zeit für eine zweite Runde Wholesome Games.
Zu Wholesome Games selbst muss ich, glaube ich, nicht mehr all zu viel sagen. Denn mittlerweile haben sie einen festen Standpunkt in der Spieleindustrie und immer wieder gibt es neue Vertreter, die das Licht der Welt erblicken.
Schöne finde ich, dass es nicht nur die großen Entwicklungen sind, die dann bei Steam oder in den Shops von Sony und Nintendo auftauchen, sondern auch immer wieder Indie und sogar Homebrew Entwickler sich dem ganzen annehmen und Spiele für NES oder Game Boy entwickeln.
Allerdings geht es hier erstmal um die großen Vertreter, vielleicht wird in einem dritten Artikel sich dann auch mal den erwähnten Homebrew Entwicklungen zugewandt, wir werden sehen, was die Zukunft bringt.
Unpacking (Witch Beam, 2021)
Der Titel verspricht genau das, was das Spiel auch hält, man packt aus. Mal das Kinderzimmer, mal das Bad und mal das Wohnzimmer, je nachdem in welcher Phase des Spiels man sich gerade befindet. Denn es handelt sich immer wieder um eine Art von Um- oder Einzug nach einem Lebensereignis.
So findet man immer einen bereits möblierten Raum vor, in dem einige Umzugskartons stehen, die eben ausgepackt werden möchten.
Dabei setzt das Spiel allerdings nicht allzu sehr auf Rätselelemente (welches Objekt muss an welchen Platz), sondern lässt viel Freiraum für eine eigene Version des jeweiligen Raums. Dies erhöht gleichzeitig den Wiederspielfaktor.
Unpacking weckt bei all seinem Charme auch eine gewisse Sehnsucht, zumindest bei mir. Denn oft verliert man sich in der Einrichtung des jeweiligen Zimmers und schaut man dann wieder in die reale Welt, vielleicht auch in das Zimmer, in welchem man sich gerade befindet, so macht sich ein gewisses Bedürfnis nach Veränderung breit.
Graveyard Keeper (Lazy Bear Games, 2018)
Graveyard Keeper wird gerne als Stardew Valley (ConcernedApe, 2016) mit Leichen bezeichnet und da ist durchaus was dran. Denn man hat auch ein Dorf mit vielen Einwohnern, um deren Bedürfnisse man sich kümmern muss. Dazu kann man Gemüse anbauen und einen Dungeon gibt es auch.
Der große Unterschied ist ein etwas düstereres Setting, welches allerdings durch eine ordentliche Portion Humor wieder dezent entkräftet wird. Ein weiterer Unterschied ist, wie der Titel schon verrät, dass man sich um einen Friedhof und eine Kirche kümmern muss.
All dies bietet viel Platz zum Entspannen, denn man hat keinen Zeitdruck, auch wenn das Spiel dies suggerieren mag. Zwar wird verlangt, dass man verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigt, allerdings kann man dies auch hintereinander machen. Hierdurch kann man sich dem Spiel vollends hingeben und ja, im morbiden findet man so auch gewiss ein wenig Ruhe.
Graveyard Kepper bietet durch seine zahlreichen DLCs noch weitaus mehr und wenn man diese auch spielen möchte, dann sollte man auf jeden Fall alle spielen und sich nicht partiell nur für ein oder zwei DLCs entscheiden, denn sonst könnte es passieren, dass das Spiel nicht mehr gut gebalanced ist.
Es mag der ungewöhnlichste Kandidat in dieser Liste sein, jedoch keiner, der sich hinter den anderen verstecken muss.
RPGolf Legends (ArticNet, 2022)
Man stelle sich vor, es gibt da ein Spiel, was sehr viel Ähnlichkeit mit The Legend of Zelda: A Link to the Past (Nintendo, 1992) hat. Allerdings ohne diesen ganzen rette die Prinzessin, befreie das Land vom Bösen Kram, sondern Golf.
Ja, genau, Golf ist hier der zentrale Punkt. Man schwingt kein Schwert, sondern einen Golfschläger. Man muss Ländereien befreien, in dem man Golf spielt. Dabei sind die klassischen RPG Elemente allerdings erhalten geblieben.
Es fühlt sich immer noch wie ein RPG an! Man kann höhere Level erreichen, sein Equipment aufwerten und natürlich gibt es jede Menge NPCs, mit denen man interagieren kann, um mehr über die Welt zu erfahren und natürlich kann man auch reisen.
Natürlich gibt es auch eine entsprechende Geschichte zu all dem, die die erwähnten Elemente auf eine sehr schöne Weise zusammenführt. Von der verrate ich natürlich nichts, aber so viel sei gesagt, es lohnt sich einen Blick zu riskieren, denn auch wenn es sich nach einer wilden Mischung anhören mag. Die Macher haben es geschafft, all das in ein wirklich gelungenes Spiel zu verpacken, was nicht nur viel Spaß macht, sondern eben auch die Ruhe eines Wholesome Games ausstrahlt.
The Ramp (Paul Schnepf, 2021)
Mittlerweile gibt es ja so einige Skate Games und nicht nur die mit Tony Hawk. Doch was ist, wenn einem das alles etwas zu wild, kompliziert und groß ist? Hier kommt The Ramp ins Spiel!
The Ramp ist gewiss keins der oben gemeinten Skate Games, denn es schnappt sich die Core Mechaniken dieser Spiele und dampft sie auf ein Minimum ein. Keine großen Städte, Parks oder ähnliches. Nur du, eine Rampe, Bowl oder Pool, ein paar geschmeidige Hip-Hop Beats und schon kann die Fahrt losgehen.
In einer Art Vogelperspektive bzw. isometrischen Perspektive könnt ihr so euch ganz frei durch die einzelnen Level skaten, ganz ohne Erwartungsdruck oder ähnliches. Dabei sind auch die jeweiligen Rampen oder Pools sehr minimalistisch und es gibt nahezu kein weiteres Szenario in der Umgebung. Es gibt auch keine Punkte, es geht einfach nur um euch und das Skaten.
Es spielt keine Rolle, ob man gut oder schlecht in solchen Spielen ist, es macht einfach Spaß sich ein wenig auszuprobieren und zu den sanften Hip-Hop Beats sich zu verlieren. Zum Abschalten ideal!
inbento (After Burn, 2019)
Als Katzenmutter muss man natürlich ganz genau schauen, dass die kleinen Katzenkinder immer das richtige zu essen bekommen. Und natürlich wissen wir alle, dass Katzen eine gute, leckere Bento-Box über alles lieben.
Damit haben wir auch schon das Setting von inbento. Aber natürlich sind unsere Katzenkinder wählerisch und so eine Bento-Box ist in der Regel ja auch ein kleines Kunstwerk. Deswegen muss immer alles genau an seinen Platz und schon beginnt die Kernmechanik des Spiels, das Puzzeln.
Mit ansteigendem Level werden auch die Zutaten immer komplexer und so kreieren wird teilweise richtige Kunstwerke und müssen natürlich immer schauen, dass alles an der richtigen Stelle ist. Das ist manchmal nicht so einfach und kann durchaus fordernd sein.
Doch das ansprechende Setting und die Atmosphäre sorgen dafür, dass dies nie in Stress ausartet und bietet genug Spielraum, um einfach mal ein wenig abzuschalten.
Fazit
Diese Liste ist gewiss etwas unüblich und beinhaltet Wholesome Games, die man nicht sofort in diese Kategorie einordnen würde. Doch bei manchen Spielen geschieht diese Einordnung auch erst auf den zweiten Blick, und das ist absolut nichts Schlimmes, ganz im Gegenteil.
Denn dieser Umstand zeigt, dass Wholesome Games zwar einfach sein können, aber dennoch die verschiedensten Facetten aufweisen, die es zu entdecken gilt, wie ich im ersten Teil auch bereits aufgeführt habe. Sie sind vielschichtiger als man denken mag und nicht einfach nur leise, ruhig und mehr im Hintergrund.
Und genau das macht dieses Genre, ja, für mich sind Wholesome Games mittlerweile ein eigenes Genre, so interessant. Es gibt immer was zu entdecken, auch an Stellen, ich denke da an Graveyard Keeper, wo man vielleicht nicht danach suchen würde.
Aus diesem Grund, schaut einfach mal in eure Spielekiste, mag sie im Regal stehen oder in der Steam Bibliothek, und wer weiß, vielleicht habt ihr mehr Wholesome Games in der heimischen Sammlung, als ihr vielleicht denkt.

Japanologie & Soziologie Student an der Goethe Uni Frankfurt. Geboren 1979 in eine Zeit die von Star Wars, Pixeln und Zeichentrick Serien geprägt war. Nerd mit Herz und Leidenschaft. Cineast, Comic Liebhaber mit einem Faible für spannende Erzählungen. Videospiel- und Serienjunkie, geformt in einer Zeit die heute als Retro bekannt ist. Ehemaliger Game Artist aber immer noch eine Affinität zur digitalen Kunst.